Uta Desch
   Sängerin & Singer-Songwriterin

Eine kleine Auswahl meiner Texte


Rauhnachtlied

Der Sommer ist gegangen, das Licht schwindet dahin

Nach der Welt kein Verlangen, die Augen zu, doch nicht blind

Die Sonne gibt sich geschlagen und die Nacht hat gesiegt

Es ist die Zeit der großen Fragen, die Zeit der großen Fragen,

Wir sehn den Weg, der vor uns liegt

Es ist die Zeit der großen Fragen, der ganz großen Fragen

Und wir sehn den Weg, der vor uns liegt

In einem mystischen Moment scheint die Zeit stillzustehn

Von aller Hektik abgetrennt spürst du die Türen offen stehen

Siehst du die Türen offenstehn, die Pforten offenstehn

Kannst du hinter die Fassaden sehn

Spürst du die Türen offenstehn, ganz weit offenstehn

Kannst du hinter die Fassaden sehn

Das Jahr ist verflogen, wo ist es nur hin?

Die Vögel längst fortgezogen, doch es macht alles Sinn

Wo ist es nur hin, wo ist es nur hin? Doch es macht alles Sinn

Wo ist es nur hin, ja, wo ist das Jahr hin? Doch es macht so viel Sinn

Es macht alles Sinn, es macht alles Sinn, hinter all dem Verblüh`n        

verbirgt sich nur...

Es macht alles Sinn, es macht so viel Sinn, hinter all dem Vergehen       

wartet nur...

Der Neubeginn, der Neubeginn

 (©T/M: Uta Desch 2015)


Der Mitbewohner

Kennt Ihr eigentlich meinen Mitbewohner

Der schon seit ewigen Zeiten bei mir lebt

Und der wie eine lästige Klette

Die meiste Zeit des Jahres ätzend an mir klebt.

Ich wollte ihm schon oft den Mitvertrag kündigen

Doch er meinte, ich würde ihn entmündigen

Er liebt es sehr, wenn sich alles um ihn dreht

Wenn er komplett im Mittelpunkt steht

Er hat Hauer und Hufe und ein borstiges Fell

Holt gerne Stöckchen und begrüsst mich mit Gebell

Er kennt meine Ängste und liebt meine Schwächen

Ich schwöre, eines Tage werd ich mich ganz zuckersüß an ihm rächen…

Refrain

Ohhh, ooohh, ich glaub, du gehörst einfach zu mir

Ohhh, ooohh, ich muss es wohl oder übel akzeptier`n

Du treibst dein Spiel mit mir unüberwindbar und kunterbunt

Du meine verhasster und heiß geliebter innerer Schweinehund

Du mein verhasster und trotzdem heiss geliebter innerer Schweinehund...

Ich wollte heute morgen schon früh das Haus verlassen

Um eine große Runde joggen zu gehen

Doch dieser Sauhund hat mich nicht rausgelassen

Es wär doch viel zu kalt, das müsste ich verstehen

Er hindert mich am Sport und an der Steuererklärung

Sagt: „Einmal ist keinmal“ und „Das hab ich mir verdient“

Und dass er mich so bremst, das juckt ihn nicht die Bohne

Er lässt mich einfach nicht aus meiner Komfortzone

Doch vielleicht muss ich ihn einfach nur mit and`ren Augen sehn

Er will mich nur beschützen, wenn ich mich übernehm

Ich muss mich weder rächen noch ihn an die Kette legen

Und sollte diese Partnerschaft liebevoller pflegen…..Refrain

Bridge

Ich vermiete ihm einfach ein kleineres Zimmer

Am besten im Keller und auch nicht für immer

Und wenn er mal wieder viel zu heftig bellt

Dann schließ ich die Tür, damits nicht so laut in den Ohren schellt

Aber eines ist mir und euch auch sicherlich klar

Die ganze Aktion verschiebe ich auf nächstes Jahr

Refrain

(©T/M: Uta Desch 2020)

 

Und das Glück

Keine Ecken, keine Kanten, was sperrig ist schleift sich rund

Eine Wüste, ausgedörrt, ein Regenguss und schon blüht es bunt

Rauhreif und Morgensonne, Perfektion um mich herum

Und ein Blick in den Himmel erklärt mir, dass alles was geht, wiederkommt

Refrain:

Und die Kraniche ziehen wieder vor dem kalten Nordwind her

Und die Kraniche fliegen wieder, federleicht als ob nichts wär

Sie ahnen nichts von uns`ren Sorgen, wissen nichts von dir und mir

Folgen einfach ihrem Kompass und schon bald erreichen sie das Meer


Alles berechnet, nüchtern und sachlich, Zahlen und Fakten sind alles was zählt

Wo ist das Leuchten, wo die Magie? Kältestarre, entzauberte Welt

Wir flöten eifrig Zukunftmusik und sind trotzdem gefangen im Blick zurück

Wozu die Eile, weshalb die Hast? Wir besitzen nur den Augenblick

Refrain

Lass alle Widerstände los, gib sie dem Wind mit, lass sie fallen

Die Hölle auf Erden erschaffen wir Menschen und sowieso ganz allein

Der ewige Atem, aus und ein, kein Wollen, kein Kämpfen, einfach Sein

Kein törichtes Ego, kein Meins, kein Deins, nichts ist getrennt,

Alles ist eins

Refrain…

Auf sanften Schwingen kehren sie zurück und bringen ganz sicher Den Frühling mit…und das Glück….und das Glück

(©T/M: Uta Desch 2020)


Das Lied vom Wohngebiet

Ich erzähl euch, was bei uns geschieht, in unserem Wohngebiet

Einer der Nachbarn fing damit an und die anderen haben es ihm gleich getan.

Er besaß einst einen zauberhaften Garten, mit Tulpen, Narzissen und Rosen, ganz zarten

Doch er hat sich über Nacht was ausgedacht und sein Zauberreich einfach platt gemacht.

Er sagte, er brauche es pflegeleicht, und er meinte, er liebe es unkrautfrei

Ausserdem hat er doch jetzt viel mehr Zeit für Smartphone und Tablet und RTL 2

Und eines schönen Morgens war es dann soweit, er hat sich und seine Seele von einer Last befreit

Und den in voller Blüte stehenden Apfelbaum, den hat er vorher noch gekappt und dann umgehauen.

Danach kam ein großer Laster angefahren und hat fruchtbarsten Boden kurzerhand begraben

Unter Schotter, unter Kies und Geröll, aus dem bunten Paradies wurd` eine graue Höll

Jetzt verschanzt er sich hinter hohen Gabionen, wo garnichts mehr sprießt ausser kalte Depressionen und der Käfig aus krankhaftem Ordnungszwang kennt weder Bienengesumm noch Vogelgesang

Denn wer das Leben liebt, betoniert sich nicht ein und wer das Leben liebt,

lässt es wachsen und gedeih`n

Und bahnt sich mutig ein Pflänzlein seinen Weg durchs Gestein, kann ein erwachsener Mensch doch mal locker bleiben.

Und Praktiker, und Obi und Hagebau, ihr vermarktet diesen Schwachsinn, den echt keiner braucht

Ihr scheffelt den Schotter und wisst es selbst ganz genau, ihr versteinert die Herzen und färbt die Welt grau...

...Und habt täglich im Super-Sonder-Angebot den praktischen, tausendfachen Vorgarten- Tod

Ich bin ja echt tolerant, doch langsam tut es Not und plädier für ein striktes Schotterwüsten-Verbot....

Heute morgen bin ich lächelnd aufgewacht, denn ich hatte einen schönen Traum heut` Nacht.

Die Menschen waren gelöst, entspannt und befreit

Ihre Gärten waren wild und sie hatten ganz viel Zeit

Angst und Kontrollzwang waren wie weggeblasen,

Keine Spur mehr von Laubsaugern oder englischem Rasen

Und in der Luft lag Blütenduft und man hörte diesen ganz besondren Klang, Ja, ich hörte diesen wunderschönen Klang....

Es war Bienengesumm und Vogelgesang

Ja, es war Bienengesumm und Vogelgesang

(©T/M: Uta Desch 2019)

 

Du, Land

Ich leb im Land der großen Dichter und Denker,

Der Künstler, Komponisten, der Richter und Henker.

Ich leb im Land der großen Kriege, Niederlagen und der Siege,

Im Land mit reicher Geschichte, dem Land mit tausend Gesichtern.

Ich leb im Land der Ossis und der Wessis

Einst geteilt und nun ein bißchen wiedervereint.

Ich leb im Land der alten und der neuen Nazis,

Der Nordlichter, der Schwaben, der Preussen und der Bazis

Refrain:

Ach du Land der Kelten und Gemanen, du Land meiner Vorfahren und Ahnen.

Hier bin ich gebor`n, hier werd´ ich wohl auch bleiben und mit ein bißchen Glück

Auch hier aus dem Leben scheiden.

Ich leb im Land der Beistiftspitzer, Rasenmäher, Eigenheimbesitzer.

Ich leb im Land der Saubermänner und der Mülltrenner.

Ich leb im Land der gruseligsten Baumarkttrends

Ich leb im Land der krassesten Schlagerfans

Ich leb im Land der zu schnellen Männer in viel zu dicken Kisten

Ich leb im Land der Asphaltierer und der viel zu vielen Pisten

Ich leb im Land der Ersatzreligion: Autos, Fussball und Konsum

Bridge

Hier wird gern laut geschimpft und viel diskutiert

Bildzeitung überflogen und kräftig polarisiert

 Der DAX, der steigt und der Wolf kehrt zurück,

Die einen schrei`n vor Angst und die andern vor Glück....

Ich leb im Land der großen Widersprüche, Bankentürme und Suppenküche

Vielleicht wird´s uns auch einfach nur zerreißen zwischen Willkommenheißen und Angstbeißen

Ich leb im Land der Wälder, Flüsse, Seen, eine  Landschaft so schön, zum Niederknien.

Ich leb im Land der Freiheit und der Demokratie, seit über siebzig Jahr`n in Frieden,

So lange wie noch nie...Refrain

...Hiermit dank´ ich dir, dass ich hier leben darf, dafür dank´ ich dir

Und trotzdem hader ich mit dir, jeden Tag, hader ich mit dir

Doch genau deshalb gehörst du zu mir, ja, du gehörst zu mir: wie mein Name an der Tür.

(©T/M: Uta Desch 2017)

 

40 plus

Neulich, da kam dieser super junge Typ einfach direkt auf mich zu,

Ich dachte mir, was will der bloß, lass mich besser mal in Ruh

Er lächelte mir ganz offen ins Gesicht, doch ich ließ ihn stehn,

denn das passte einfach nicht.

Refrain:

Weißt du schon, dass ich dir was sagen muss

Schau mal genau hin, dann siehst du`s

An diesem Punkt ist für uns beide leider Schluss

Denn ich bin, denn ich bin, denn ich bin: 40 plus

Das hört sich jetzt so an als wär das Schönste längst vorbei

Doch ganz so schlimm ist es noch nicht.

Ich bin mir sicher, das Beste liegt noch vor mir, es ist noch Land in Sicht.

Mit jedem Jahr fühl ich mich wohler in der Haut,

Trotz gefärbter Haare, denn die Schläfen sind längst grau...

Weißt du schon, dass ich dir was sagen muss

Mit der 4 vor der Null ist das Dasein ein Genuss

Alle Ängste verjagt und mit Zweifeln ist jetzt Schluss

Denn ich bin, denn ich bin, denn ich bin: 40 plus

Bridge:

Es gibt da einen Punkt, der ist nicht zu unterschätzen,

Der heißt Lebenserfahrung und ist nicht zu ersetzen

Man weiß irgendwann, wie das Leben so tickt

Und macht sich ganz einfach nicht mehr so verrückt, nicht mehr so verrückt,

Das ist angenehm und könnt´ immer so weitergehen....

Refrain

...und bin so froh, dass ich nichts mehr beweisen muss...

...endlich erwachsen und die Welt aus Zuckerguss....

...die Welt aus Zuckerguss, aus Schokoguss...

T/M: Uta Desch 2014)